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Die Dogmatik „beschäftigt“ das, was dem Glauben wichtig ist. Schon bei Thomas von Aquin ist das Erkennen-Wollen Gottes letztlich ein Akt der Liebe, der keinem äußeren Grund folgt, sondern dem inneren Sehnen und Streben nach dem Gott, der nicht ohne den Menschen sein will und sich ihm deshalb auf vielfältige Weise mitgeteilt hat.
Während in der Alltagssprache „dogmatisch“ oft gleichbedeutend mit „rechthaberisch, festgefahren“ oder sogar „intolerant“ verwendet wird, bedeutet „Dogmatik“ als Lehrfach geradezu das Gegenteil: nicht Abschluss, sondern Eröffnung eines Dialogs über den Gott Jesu Christi und seine Vergegenwärtigung in der Schrift, in der Überlieferung und im Handeln der Kirche. „Dogmen“ sind also „keine Mauern, die uns den Blick verstellen, sondern offene Fenster auf das Unendliche hin“ (Joseph Ratzinger).
Die Vorlesung gibt einen großen Überblick über die Schöpfungslehre und ihre Konsequenzen für das christliche Menschenbild und das Verständnis der Heilsgeschichte am Beispiel der Mariologie. Zunächst geht es darum, den Begriff der Schöpfung im Gegenüber zum heutigen naturwissenschaftlich geprägten Weltbild zu verstehen und zu profilieren. Besondere Aufmerksamkeit wird der Theodizeefrage, der Frage nach dem Leid in der Welt, gewidmet, weil sie immer wieder als Argument gegen eine gute Schöpfung Gottes ins Spiel gebracht wird. Auch wenn Schöpfungsglaube und Evolutionstheorie keineswegs unvereinbar sind, ist die Vorstellung von der Vollendung der Welt in der jüdisch-christlichen Tradition doch eine andere als in die im Rahmen der Naturgesetze denkbare. Dieses Schöpfungsverständnis wird konkret und personal fassbar im Menschen als Gottes Ebenbild. Durch seine Berufung zum Dialogpartner des Schöpfers kommt dem Menschen auch eine besondere Stellung in und Verantwortung für die Schöpfung zu. Der Transhumanismus als ernste Herausforderung an das christliche Menschenbild wird dabei in besonderer Weise analysiert werden. Die Mariologie schließt sich hier folgerichtig an – denn in Maria begegnen wir dem Menschen, wie ihn Gott sich gedacht hat, der Frau, die dem Schöpfer (als Jungfrau) die reine Antwort des Glaubens gegeben hat und so selbst (als Mutter) schöpferisch und fruchtbar geworden ist. Der dogmatische Gehalt der Mariendogmen lässt sich aus einer schöpfungstheologischen Sicht so noch einmal tiefer und aktueller erschließen.
M3
dienstags, 9.15-11.00 Uhr
Eine verpflichtende Veranstaltung für Doktoranden
„Die Wahrheit des Schöpfungsglaubens ist nicht daran gebunden, dass sie geglaubt wird“, hat der katholische Philosoph Robert Spaemann einmal provokativ formuliert. Damit spielt er zum einen darauf an, dass naturwissenschaftliche Erkenntnisse oft als Widerspruch zum biblischen Schöpfungsbericht und so als Hindernis für den Glauben angesehen werden. Zum anderen ist er davon überzeugt, dass der christliche Schöpfungsglaube Konsequenzen für das Verständnis von Mensch und Welt in sich trägt, die sich auch argumentativ ausweisen lassen. In der Vorlesung sollen die philosophischen und theologischen Grundaussagen der Schöpfungslehre dargestellt und für das heutige Denken erschlossen werden. Der Dialog mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaft wird besonders an der Frage nach der Entstehung des Universums und des Lebens aufgenommen. Auch aktuelle Ansätze der Umwelt- und Tierethik werden mit einbezogen und auf ihr schöpfungstheologisches Potenzial hin befragt.
M 6
montags, 14.15-17.00 Uhr
Martin Breul, Schöpfung (UTB Grundwissen Theologie), Paderborn 2023.
Matthias Haudel, Theologie und Naturwissenschaft (UTB), Göttingen 2023.
Medard Kehl, Und Gott sah, dass es gut war. Eine Theologie der Schöpfung, Freiburg 2006.
Jürgen Moltmann, Gott in der Schöpfung. Ökologische Schöpfungslehre, (5. Auflg.) Gütersloh 2002.
Joseph Ratzinger, Im Anfang schuf Gott/Konsequenzen des Schöpfungsglaubens, Neuausgabe Einsiedeln-Freiburg 1996 (3. Auflg. 2024).
Hermann Stinglhammer, Einführung in die Schöpfungstheologie, Darmstadt 2011.

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