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Philosophie und Dialog mit der Gegenwartskultur

Prof. Dr. Gianluca De Candia

Prof. Dr. Gianluca De Candia

Philosophie und Dialog mit der Gegenwartskultur / Beauftragter für Internationalisierung
Gleueler Str. 262 - 268
50935 Köln

Forschungsschwerpunkte

  • Metaphysik und Gottesgedanke
  • Notwendigkeits-, Möglichkeits-, Freiheitsdenken
  • Religionskritik und -erschließung im Ausgang der Moderne
  • Philosophische Hermeneutik
  • Kulturtheorie und Ästhetik

Publikationen

Luigi Pareyson: Wahrheit und Interpretation, übersetzt von G. De Candia (Philosophische Bibliothek Meiner). Hamburg.

Luigi Pareyson (1918-1991) gehört zu den Begründern der modernen philosophischen Hermeneutik. Diese Ausgabe eröffnet erstmals in deutscher Übersetzung den Zugang zu seinem 1971 erschienenen Hauptwerk zur Philosophie der Interpretation, an dem er seit den 1940er Jahren intensiv arbeitete. Seine Kritik an allen wichtigen Strömungen des XX Jahrhunderts (Existenzialismus, Marxismus, Psychoanalyse, Neopositivismus, Pragmatismus, Ideologie- wie Entmythologisierung, Traditionalismus) erweist sich immer noch als höchst aktuell. Alternativ zum heute dominierenden historistischen, pragmatistischen oder technikfixierten Denken besteht für ihn die Aufgabe der Philosophie darin, das Denken in seiner ursprünglich ontologischen Dimension zu fundieren und somit den Wahrheitsbegriff wieder ins Zentrum zu stellen. Dabei geht es nicht primär um ein analytisches Verständnis der Wahrheit, das diese lediglich auf der Ebene des Propositionalen gelten lässt, sondern um die Wahrheit als unerschöpfliche Offenbarkeit des Seins, die die Freiheit des Interpreten fördert und einfordert. Diese Spannung zwischen Wahrheit und Interpretation motiviert Pareysons Plädoyer für eine pluralistische und eben nicht relativistische Konzeption der Wahrheit, die im geschichtlichen Ereignischarakter des Seins begründet ist und in seiner Einzigartigkeit und unendlichen Fruchtbarkeit sich nur einer Vielzahl von Zugängen und Perspektiven erschließt.

Il forse bifronte. L’emergenza della libertà nel pensiero di Dio. Mimesis. Milano.

Aus dem Vorwort von Thomas Leinkauf:

«In Bezug auf Gott konnte immer nur das Denken, konnten immer nur wir schwanken – er selbst stand ohne Vielleicht fest in sich selbst. […] Mit der Geschichte jedoch kommt die Zeit, mit der Zeit hingegen auch die Möglichkeit und mit der Möglichkeit auch das Vielleicht in Gott selbst hinein. Zumindest werden alle diese Bestimmungen zu Momenten unserer begrifflichen Erfassung Gottes (so dramatisch etwa bei Schelling). Damit sind wir bei der Thematik, die Gianluca De Candia sich in diesem hochinteressanten Buch vorgenommen hat, beim Vielleicht und bei dessen dialektischer, zweiseitiger Natur […] De Candia unterscheidet für seine Untersuchung drei Formen des Vielleicht: eine freiheitliche, eine konjektural-hermeneutische und eine amphibolische. […] Diese drei Formen bewegen sich zusätzlich noch innerhalb der Klammer zwischen einem „forse maggiore“, dem eine „positive“ Valenz zukomme und einem „forse minore“, das sein „negatives“, skeptisches Gegenpart ist – und können auch oszillieren von einer Perspektive zur anderen. Die sachliche und historische Entwicklung des „Vielleicht“ zielt aber, so legt es die Deutungsoperation De Candias nahe, auf ein „gefährliches“ Vielleicht, das, in der Nachfolge Nietzsches und in der durch Heidegger inspirierten italienischen Denktradition, den zeitgenössischen Diskurs stimuliert.»

Unter diesem Link ist das Inhaltsverzeichnis und das Vorwort von Thomas Leinkauf abrufbar.



 

Luigi Pareyson, Vom Staunen der Vernunft. Übers. und eingeleitet von G. De Candia. Münster. Aschendorff Verlag.

»Mit diesem Werk hat Gianluca De Candia seiner wertvollen Vermittlungsarbeit zwischen der italienischen und deutschen Philosophie einen weiteren Baustein hinzufügt.« Gianni Vattimo



Luigi Pareyson ist bislang im deutschsprachigen Raum wenig bekannt, obwohl seine Werke in viele Sprachen übersetzt wurden, da er zweifellos neben H.-G. Gadamer und P. Ricoeur zu den Begründern der modernen philosophischen Hermeneutik gehört. Aufgrund seiner intellektuellen Vielfältigkeit hat er viele seiner Schüler, zu denen Umberto Eco und Gianni Vattimo gehören, inspiriert und ihnen ein breites Spektrum eröffnet, das von idealistischen Ansätzen über die Hermeneutik bis zur ästhetischen Theorie reicht. Der Band liefert eine vielfältige, zugleich aber in sich kohärente Skizze wichtiger Motive seiner Philosophie: die Hauptzüge seiner Fichte- und Schelling-Interpretation, die Grundlagen seiner ,,Ontologie der Freiheit“, seine philosophische Hermeneutik der religiösen Erfahrung, die Grundlinien seiner Ästhetik und schließlich Überlegungen, die die soziale Funktion betreffen, die der Philosophie zukäme. Wie ein roter Faden zieht sich durch alle diese Beiträge eine intellektuelle Haltung des Staunens. Es ist die Haltung eines Nicht-völlständig-Begreifens angesichts des menschlichen Daseins und seiner Freiheit, des Bösen in der Geschichte, des Phänomens der überschwänglichen Schönheit, der Deutungskraft des Mythos, der unvermeidbaren Andersheit des Anderen und des Ichs selbst. Und es ist genau dieses Staunen, das die Menschen – seit den Anfängen bis heute – zum Philosophieren veranlasst. 



Auf der Seite des Verlags ist die Publikation bereits ab sofort als EBook PDF erhältlich.

 



 

Der Anfang als Freiheit. Der Denkweg von Massimo Cacciari im Spannungsfeld von Philosophie und Theologie. Freiburg/München. Karl Alber Verlag

Massimo Cacciari ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Philosophen Italiens. Dieses Buch ist die erste umfassende deutschsprachige Monographie zu seinem Denkweg. In Auseinandersetzung mit dem spekulativen Denken von Augustinus bis Schelling und dem christlichen Trinitäts- und Schöpfungsgedanken entwickelt er die kühne Idee eines Anfangs vor allem Anfangen – um der absoluten und gelösten Freiheit Gottes und der Menschen willen. Von da her kommt er zu überraschenden Einsichten in die theologisch-metaphysischen und politischen Gesetze der europäischen Kulturgeschichte, die einen kritischen Doppelblick auf das Woher und Wozu von Sein und Denken sowie eine theologische Relektüre klassischer Themen ermöglichen und erfordern.



Unter diesem Link ist das Inhaltsverzeichnis und die Einleitung des Buches abrufbar.



[Rez. von Ugo Perone in: Schelling-Studien. Internationale Zeitschrift zur klassischen deutschen Philosophie, Band 8, Verlag Karl Alber, Freiburg/München 2020, 267-271; Rez. von St. Lüttich in: PhTh 95 (2020), 449f.]

Aktuelles

 

Aktuelles und Aktivitäten von Prof. Dr. De Candia finden sich hier.

Der Ursprung des Gedankens liegt im Widerspruch – nicht nur mit anderen, sondern auch mit uns selbst.
– Eric Hoffer, The Passionate State of Mind

Philosophie und Dialog mit der Gegenwartskultur

Zum Studium der katholischen Theologie gehört auch die Philosophie. Ihre Rolle besteht vor allem darin, die richtigen Fragen über die Möglichkeiten, Voraussetzungen und Grenzen menschlichen Erkennens und Handelns zu stellen und nach deren Antworten zu suchen. Dabei versteht sich die Philosophie nicht nur als Teildisziplin, sondern vor allem als Habitus und übergreifendes Moment theologisch verantwortlichen Bemühens um gedankliche Klarheit über Mensch, Welt und Gott. Nach Immanuel Kant lassen sich alle philosophischen Fragen auf vier Grundfragen zurückführen:

    Was kann ich wissen?
    Was soll ich tun?
    Was darf ich hoffen?
    Was ist der Mensch?

Die Erforschung der Problematisierungs- und Problemlösungsgeschichte dieser Grundfragen und der daraus resultierenden neue Fragestellungen im Bereich der Politik-, Kultur-, Kunst-, Film- und Medienphilosophie bildet einen Schwerpunt des Lehrstuhles „Philosophie und Dialog mit der Gegenwartskultur“ an unserer Hochschule.

Vorlesung von Herrn Prof. Dr. Gianluca De Candia

mittwochs vom 12.10.2022–09.11.2022, 11:15–14:15 Uhr

„Credo, quia absurdum est“ („Ich glaube, weil es unvernünftig ist“) – Mit diesem Satz soll der römische Schriftsteller Tertullian den Glauben diametral von der Vernunft geschieden und einen unüberbrückbaren Widerspruch zwischen beiden errichtet haben. Damit eröffnete er einen Konflikt, der sich von der Antike über das Mittelalter bis in die Neuzeit zieht. Gerade die Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Wissenschaft in der rationalistischen Aufklärung haben nicht selten zu Frontstellungen geführt, die bis heute nicht aufgelöst werden konnten. Während Tertullian den Konflikt zwischen Glauben und Vernunft in der Antike noch (wenn auch auf fideistische Weise) zugunsten des Glaubens entschied, so zieht die heutige Gesellschaft oft die Vernunft vor. Im Credo der alleingültigen Wissenschaft findet der Glaube keinen Platz mehr.

Es ist wahr: Wie kann der Mensch von heute eine richtige Entscheidung treffen, wenn ihm Glaube und Vernunft als sich ausschließende Optionen vorgelegt werden? Der philosophische Teil der Vorlesung „Glaube und Vernunft“ möchte hingegen in fünf Kapiteln zeigen, dass sich der Mensch diese Frage gar nicht stellen braucht. Denn wie das erste Kapitel verdeutlicht, können Glaube und Vernunft durchaus als Ergänzung betrachtet werden. Ausgehend von dieser Grundlage, die eine weitere theologische Beschäftigung mit der Vernunft erst rechtfertigt, verschreibt sich das zweite Kapitel der philosophischen Erkenntnistheorie: Was bedeutet das Erkennen für den Menschen, wenn er etwas glaubt, meint oder sogar weiß? Und wie verhält er sich zu den Einwänden des Skeptizismus, der sicherer Erkenntnis entschieden widerspricht und stattdessen eine Matrix oder Gehirne im Tank für plausibel hält?

Die Kapitel III und IV fragen intensiv nach demselben Wissen, das vom Skeptizismus abgestritten wird. Welche Arten von Wissen sind bekannt und wann kann man nach kanonischer Definition von einem echten Wissen sprechen? Was bedeutet eine wahre, gerechtfertigte Überzeugung? Das fünfte Kapitel versucht abschließend, das Wissen durch Modifikationen seiner traditionellen Definition vor dem Skeptizismus zu bewahren. Die Beispiele Edmund Gettiers, der Externalismus und ihre Beurteilung bieten interessante Anhaltspunkte für die alles entscheidende Frage im Verhältnis von Glauben und Vernunft: Inwiefern ist Wissenschaft dem Glauben überhaupt epistemologisch voraus?

Inhaltsverzeichnis

KAPITEL I – MODELLE FÜR DAS VERHÄLTNIS VON PHILOSOPHIE UND THEOLOGIE

 

 

 

1.

Historische Modelle

 

1.1

Paulinisches Verständnis

 

1.2

Johanneisches Verständnis

 

1.3

Paulinische und johanneische Fortschreibung

 

 

 

2.

Systematische Modelle

 

2.1

Drei systematische Modelle

 

2.2

Fides et Ratio

 

2.3

Mensch als Wesen der Transzendenz

 

 

 

KAPITEL II – ERKENNTNISTHEORIE

 

 

 

3.

Epistemologische Begriffsbestimmungen

 

3.1

Was ist „glauben“?

 

3.2

Die Erkenntnistheorie

 

 

 

4.

Glauben, meinen, wissen

 

 

 

5.

Die skeptische Herausforderung

 

5.1

Der Mensch in der Matrix

 

5.2

Das Traumargument

 

5.3

Das Außenwelt-Argument

 

5.4

Das Gehirn im Tank

 

5.5

Zwischenfazit

 

 

 

KAPITEL III – WAS IST WISSEN?

 

 

 

6.

Die drei Arten des Wissens

 

6.1

Propositionales Wissen

 

6.2

Praktisches Wissen

 

6.3

Intuitives Wissen

 

 

 

KAPITEL IV – DIE KLASSISCHE ANALYSE DES WISSENS

 

 

 

7.

Begriffsanalytische Methode

 

7.1

Analytische oder Erläuterungsurteile

 

7.2

Synthetische oder Erweiterungsurteile

 

 

 

8.

Die traditionelle Definition des Wissens

 

8.1

Erstes Merkmal: Überzeugung

 

8.2

Zweites Merkmal: Wahrheit

 

8.3

Drittes Merkmal: Rechtfertigung

 

 

 

KAPITEL V – ANFRAGEN AN DIE TRADITIONELLE WISSENSDEFINITION

 

 

 

9.

Edmund Gettier

 

9.1

Die These Gettiers

 

9.2

Die Beispiele Gettiers

 

 

 

10.

Internalismus und Externalismus

 

10.1

Externalismus: Kausale Konzeption

 

10.2

Externalismus: Reliabilismus

 

10.3

Externalismus: Kontextualismus

 

10.4

Fazit: Antiskeptische Argumente

 

 

Vorlesung von Herrn Prof. Dr. Gianluca De Candia und Herrn Dr. Regi Waton 

donnerstgats 10:15-11.00 Uhr 

 

Vorlesung von Herrn Dr. Regi Waton 

montags 14:15-16:00 Uhr 

DFG- Projekt: "Philosophische Hermeneutik der religiösen Erfahrung in Luigi Pareyson und seiner Schule"

  • Gesamtfördersumme: Euro 267.250

  • März 2018 - heute 

 

Im Umfeld der mitteleuropäischen Philosophie der letzten Jahrzehnte war die Dekonstruktrion nicht die einzige Weise einer Hermeneutik des Christentums. Eine Alternative zu dieser findet sich bei dem Turiner Philosophen Luigi Pareyson (1918-1991) und dem Teil seiner vielen Schüler, die seiner Ontologie der Freiheit als einer Auslegung der religiösen Erfahrung gefolgt sind. Ein andere Zweig, mit Gianni Vattimo, Umberto Eco und Mario Perniola an der Spitze, hat sich mehr an der Vorläufigkeit aller Hermeneutik, dem ästhetischen Charakter alles Erfahrens und der offenen Zeichentheorie orientiert. Das Verdienst der weniger bekannten ersten Denkform liegt darin, dass sie die Deontologisierung der Hermeneutik überwindet, ohne in eine Ontotheologie zurückzufallen, und zugleich das Wahrheitspotential der biblischen Offenbarungsthemen wertschätzt, ohne den fragmentarisch-vorläufigen Charakter aller Wahrheit zu verkennen, wie sie das nachmetaphysische Denken nahelegt. Noch weniger wird die bleibende und darin fruchtbare Spannung zwischen religiöser Unmittelbarkeit und philosophischer Vermittlung geleugnet. Die Auslegung dieser wichtigsten Schulrichtung im Italien nach dem Zweiten Weltkrieg möchte auf genetisch-geschichtliche wie systematische Weise den Weg nachzeichnen, der von den personalistischen hermeneutischen und ontologischen Voraussetzungen und Wegmarken zum späten Denkstil Pareysons führt, der um die Ausarbeitung einer Hermeneutik der religiösen Erfahrung kreist. Zugleich wird die fruchtbare Geschichte der Rezeption bei Philosophen wir Ugo Perone, Claudio Ciancio und Sergio Givone in den Blick genommen, die das Denken der Freiheit und der freien, aber nicht beliebigen Auslegung in Form und Inhalt – eben in aller Freiheit weiterführen, darin doch den oben genannten Anwälten des ‚schwachen Denkens‘ nicht unähnlich.
Für die Theologie ist ein solches Programm reizvoll und anregend für die Ausarbeitung einer ontologisch fundierten hermeneutischen Vernunft, die ihrem universalen Anspruch auf kritische, manchmal abgründige Weise gerecht wird. Das Denken Pareysons und seiner Schule bezeugen durch alle Schattierungen hindurch, dass christliche Motive immer noch die Philosophie herausfordern und ihr Wahrheitsanspruch der Konfrontation mit der Lebenswelt standhalten kann.

 

Alexander von Humboldt-Fellowship: "Wandlungsprozesse des Christentums in Europa. Zur Neubestimmung christlicher Grundannahmen"

  • Gesamtfördersumme: 113.400 Euro 
  • Juni 2014 - Mai. 2017 

WWU-Fellowship

  • Gesamtfördersumme Euro 8.000

  • Nov. 2017 - Jan. 2018

  • Übersetzung ins Deutsche des Essays von Luigi Pareyson: Filosofia ed esperienza religiosa 

Dr. phil. Fidelis Regi Waton SVD

Dr. phil. Fidelis Regi Waton SVD

Dozent Philosophie und Dialog mit der Gegenwartskultur

Publikationen

Die Provokation des Guten. Arendts philosophische Untersuchung zur Frage nach Schuld und Verantwortung unter der totalitären Herrschaft. Religion – Staat – Kultur. Interdisziplinäre Studien aus der Hu

Lit-Verlag 2016.

„Der Freiheitsbegriff bei Hannah Arendt: Freiheit, frei zu sein“

In: „Das Leiden an der Freiheit“: Jahrbuch der Philosophisch-Theologischen Hochschule SVD St. Augustin. Vol. 6 (2018).

„Die eine Wahrheit“

In: „Die Menschen lügen. Alle! (Ps 116,11). Das Leben mit alternativen Wahrheiten“. Akademie Völker und Kulturen 2017/18.

Moritz Passoth

Wissenschaftliche Hilfskraft